Demokratie als Lebensform - Demokratie als Experiment

VHS Würzburg
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Beschreibung

Aktuelles, das in der Zeitung steht, diskutiert wird zu hinterfragen, politische Streitpunkte, kommunale Ereignisse oder Gedenktage aufzugreifen und zu durchleuchten, ist unser Ziel im Programmbereich Gesellschaft. Aktuelles, heute als NEWS behandelt, ist oft nur noch für wenige Tage ein paar Schlagzeilen wert. "Infotainment" hat in den Medien nur noch 90 Sekunden Raum. Die vhs dagegen will Hintergründe aufspüren, Zusammenhänge erklären, Fachleute zu Wort kommen lassen, Raum zur Diskussion geben und zur eigenen Meinung herausfordern.

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Würzburg
Münzstraße 1, 97070, Bayern, Deutschland
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Demokratie

Themenkreis



In der politischen Theorie des beginnenden 20. Jh. beschäftigte man sich intensiv mit der Frage, ob und inwieweit die klassischen Ideale republikanischer und liberaler Demokratievorstellungen unter den Bedingungen moderner „Massendemokratien“ noch von Bedeutung seien. In Deutschland stellte etwa der konservative Staatsrechtler Carl Schmitt den liberalen Parlamentarismus generell in Frage und trat später sogar für eine autoritäre Präsidialdiktatur ein. In den USA hielt Walter Lippmann eine „magere“ Form liberaler Demokratie mit einer professionalisierten politischen Elite an der Spitze für ausreichend, wobei die aktive Teilnahme der Bevölkerung allein auf Wahlen beschränkt sein sollte.

Dieser Sichtweise widersprach der Philosoph John Dewey, der eine radikaldemokratische Alternative zu Lippmanns Lösungsansätzen vertrat. Ausgehend von einer radikalen Kritik klassischer und liberaler Auffassungen vom Staat und vom Individuum, rekonstruierte Dewey diese Begriffe neu. So gelangte er zu der berühmten Auffassung, dass Demokratie keine Alternative zu anderen Prinzipien gemeinschaftlichen Lebens sei, sondern „die Idee des Gemeinschaftslebens selbst (ist).“ Die demokratischen Institutionen wie Allgemeines Wahlrecht, Regierung durch Kabinett und Kongress sind nicht sakrosankt an sich, sondern geeignete Instrumente der Demokratie zur Lösung von Problemen, die experimentell weiterentwickelt und angepasst werden müssten. Maßstab dabei ist die Vorstellung eines sozialen Raumes, der dem Wachstum und ungehinderten Entfaltung des Individuums dient.

Dr. Matthias Gsänger ist Privatdozent im Bereich "Politische Theorie" am Institut für Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Würzburg.