Netzneutralität

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Netzneutralität Netzneutralität steht für die unveränderte Übertragung und Gleichbehandlung aller Datenpakete. Und das unabhängig davon, woher sie stammen, wohin sie transportiert werden sollen, was sie enthalten und welche Anwendung sie generiert hat. Netzneutralität bedeutet, dass jeder Inhalt mit der gleichen Priorität übertragen wird und alle Teilnehmer die Freiheit haben, die Inhalte und Dienste von verschiedenen Anbietern zu beziehen und zu nutzen. Für den Nutzer bedeutet das, dass er das Internet mit allen seinen Diensten und Anwendungen ohne Einschränkungen nutzen kann. Die Architektur des Internets wird als End-to-End-Prinzip bezeichnet. Es ist von Anfang an als "Netz der Gleichen" konzipiert. Die Daten fließen frei und mit der gleichen Priorität. Es ist ein Grundprinzip des Internets. In der Praxis sieht das so aus, dass es Nutzer, Inhalte-Anbieter (Webseiten-Betreiber) und Netzbetreiber (Provider) gibt. Die Inhalte-Anbieter und Netzbetreiber agieren vollständig unabhängig voneinander. Der Nutzer profitiert davon. Er kann aus den angebotenen Inhalten und Diensten frei wählen. Das Internet, das jedes beliebige Datenpaket zu jedem beliebigen Empfänger transportieren kann, ist der Grund, warum eine digitale Industrie entstehen konnte. Dabei sind einige herkömmliche Geschäftsmodelle ins Wanken geraten und versuchen sich mit allen Mitteln zu stabilisieren. Die einen versuchen es mit der Ausschöpfung aller rechtlichen Mittel. Die anderen in der Wahrnehmung der Chancen, auf denen sie neue Geschäftsmodelle bauen. Davon sind nicht nur die Lieferanten der digitalen Inhalte und Dienste betroffen, sondern auch diejenigen, die diese Inhalte und Dienste transportieren: die Netzbetreiber.

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Was lernen Sie in diesem Kurs?

Internet
Architektur
USA
eBay
Gleichbehandlung
Webseiten
Provider

Themenkreis

Warum soll die Netzneutralität aufgegeben werden?

Ein Beispiel: Ein großer Video-Streaming-Anbieter streamt seine Videos über Netzbetreiber A ins Netz und bezahlt auch für diese Leistung. Die Kunden des Video-Streaming-Anbieters haben einen Internet-Anschluss bei Netzbetreiber B für den sie bezahlen. Beide Netzbetreiber bzw. Provider werden also für die erbrachte Leistung bezahlt. Auf den ersten Blick ist also alles in Ordnung.
Nun müssen aber die Video-Streams vom Netz A ins Netz B gelangen. Dazu haben die beiden Netzbetreiber ein Peering-Abkommen durch das sie den Datenaustausch zwischen ihren Netzen kostenlos abwickeln. Soweit so gut. An dieser Stelle kommt der Netzbetreiber B auf die Idee den Video-Streaming-Anbieter zur Kasse zu bitten und ihm die Durchleitung seiner Daten nur dann zu gewähren, wenn er bezahlt. Man könnte das als frech, gierig oder auch als clever bezeichnen.

Warum Netzbetreiber von den Inhalte-Anbietern zusätzlich bezahlt werden wollen ist auf dem ersten Blick schwer zu verstehen. Die Inhalte-Anbieter kaufen schließlich die Anbindung ihrer Rechenzentren bei den Netzbetreibern ein. Und auf der anderen Seite zahlen Zugangskunden für ihren Internet-Anschluss auch. Doch schaut man genauer hin, dann sind viele Netzbetreiber am anfallenden Datenverkehr nicht beteiligt. Sie wickeln nur den Traffic aus Partnernetzen ab, mit denen Peering-Vereinbarungen geschlossen wurden. Oft wird der Traffic aufgrund der Vereinbarung kostenlos durchgeleitet. Die Betreiber dieser Netze sehen dann natürlich auch, wer hier die Kosten verursacht. Behauptet wird dann, dass Inhalte- und Dienstanbieter die vorhandenen Netze umsonst nutzen würden. Doch das stimmt so nicht. Die bezahlen auch für ihre breitbandigen Anschlüsse Ihrer Server ans Internet. Nur aus Sicht der Netzbetreiber an den falschen.

Knappe Übertragungskapazität?

Oft gilt eine angeblich knappe Übertragungskapazität als Rechtfertigung für umfangreiche Netzmanagementmaßnahmen. Doch das die Übertragungskapazität knapp ist, ist einfach nicht richtig. Für einen Netzbetreiber gehört es zum täglichen Geschäft die Übertragungskapazität seines Netzes auszubauen. Allein schon deshalb, wenn er mehr Kunden an sein Netz anschließen will.

Auch behaupten Netzbetreiber immer wieder, dass eine Minderheit die Netzkapazität ausreizt und alle anderen Nutzer darunter zu leiden haben. Doch Bandbreite kann man nicht verbrauchen, wie Wasser oder Strom. Die Leistung Datenübertragung ist kein materielles Gut. Bandbreite ist eben da oder auch nicht. Bandbreite ist eher mit einer Autobahn vergleichbar. Wenn die voll ist, dann geht es eben nur langsam voran. Dann braucht es eben eine Fahrspur mehr. Bei der Datenübertragung ist es nicht anders. Es ist ganz normal, dass mit der Zeit der Bedarf für die Übertragungsleistung steigt. Die einzige Investition der Netzbetreiber besteht darin, die Verbindungen innerhalb ihrer Netze schneller zu machen.

Die Angaben zum Auftreten und Ausmaß von Netzüberlastungen kommen ausschließlich von den Netzbetreibern selber. Unabhängige Untersuchungen gibt es nicht. Vermutlich weil die Netzbetreiber sich nicht gern in die Karten schauen lassen wollen.

Was hat die Netzneutralität mit Next Generation Network zu tun?

Durch die Umstellung auf NGN und intelligente Netzwerkfunktionen lassen sich Datenströme auf der Transportebene feiner erfassen und steuern. Das Zugangsnetz lässt sich bis zum einzelnen Teilnehmeranschluss überwachen und konfigurieren. Das bedeutet, die neuen Netze stellen Instrumente zur Rationierung der vorhandenen Ressourcen bereit. Das bedeutet, dass diese Instrumente auf der einen Seite zur Optimierung des Netzverkehrs, auf der anderen Seite aber auch zur Durchsetzung strategischer und geschäftlicher Interessen dienen können.
Selbstverständlich hat ein Netzbetreiber ein geschäftliches Interesse, diskriminierend in den Datenverkehr einzugreifen. Beispielsweise, um für unterschiedliche Nutzer unterschiedliche Tarife anzubieten. Dazu muss das Produkt jedoch in der Leistung variabel sein, um die Connectivity künstlich einschränken zu können.
Beispielsweise, in dem Geschwindigkeiten reduziert oder Inhalte blockiert werden. Was grundsätzlich nicht schlecht ist, wenn der Netzbetreiber Mittel in der Hand hat, um Dienste zu garantieren, wenn er dabei bandbreitenhungrige Anwendungen drosselt. Nur dummerweise widerspricht genau dass der Idee der Netzneutralität.

Schwierig wird es erst recht, wenn der Netzbetreiber auf die Idee kommt, für unterschiedliche Netzqualitäten unterschiedliche Preise zu verlangen. Soll doch derjenige Zahlen, der es schneller braucht. Doch die technische Entwicklung verläuft viel schneller, als ein tatsächlicher Bandbreitenengpass entstehen kann. Der Verzicht auf Netzneutralität führt nur dazu, dass die Investitionen im Netzausbau etwas länger Bestand haben. Doch welche Konsequenzen hat das für die Weiterentwicklung und Innovationskraft im Internet?

Netzbetreiber, wie die Deutsche Telekom, würden die Netzneutralität gerne aufgeben. Sie begründen das damit, dass sie die Netze schließlich gebaut haben und weiter ausbauen müssen. Die dafür entstehenden Kosten müssten von irgendjemand getragen werden.
Der Grund, Inhalteanbieter zur Kasse zu bitten ist, man will zusätzliche Erlöse zur Aufrüstung der Infrastruktur generieren. Dabei bekommt man den Eindruck, dass der Netzbetreiber die Endkundentarife so kalkuliert hat, dass kein Überschuss für die Aufrüstung seiner Infrastruktur möglich ist.

Netzneutralität schließt NGN nicht aus

Momentan erfolgt die IP-Paketvermittlung nach dem Best-Effort-Prinzip, bei dem die Datenpakete in der Reihenfolge weitergeleitet werden, wie sie eingehen. Auf diese Weise wird die Zuteilung der Vermittlungsleistung fair gestaltet.
Netzmanagementmaßnahmen seitens der Netzbetreiber müssen dabei nicht zwangsläufig ausgeschlossen sein. Trotz Netzneutralität ist es möglich, dass einzelne Datenpakete priorisiert bzw. bevorrechtigt übertragen werden können. Dabei ist die Netzneutralität wenig beeinträchtigt, vorausgesetzt die Priorisierung erfolgt transparent und ermöglicht einen unkomplizierten Anbieterwechsel durch den die Verbraucher in der Lage sind den Wettbewerb aufrechtzuerhalten.

Hintergründe

In den USA hat AT&T als einer der großen Netzbetreiber die Netzneutralität grundsätzlich in Frage gestellt und Gebühren von den großen Web-Anbietern gefordert. So sollen große Anbieter wie eBay, Amazon, Yahoo und Google dafür bezahlen, dass die Kunden ihre Webseiten und Dienste uneingeschränkt nutzen dürfen. Die Anbieter sollen praktisch noch einmal für den Datenverkehr bezahlen, den sie schon bezahlt haben. Nur eben nicht an der Endstelle im Netz, sondern auch in den Netzen die sich auf dem Weg zum Nutzer befinden.
In den USA ist die Diskussion zum Politikum geworden. In Deutschland selber ist die Diskussion noch relativ frisch und wird vom größten Netzbetreiber, der Deutschen Telekom, vorangetrieben.

Große Netzbetreiber in den USA und Europa wollen Möglichkeiten zur unterschiedlichen Behandlung von Datenverkehr innerhalb ihrer Netze einführen. So könnten sie den Datenverkehr von besser zahlenden Kunden bevorzugt behandeln oder VoIP-Anbieter, die ihrem Festnetzgeschäft Konkurrenz machen, benachteiligen.
Die Gefahr ist groß, dass die Netzbetreiber Technologien zur Anwendung bringen, die den Datenverkehr der Konkurrenz beeinflusst oder sogar ausschließt. So kann der Zugang zu Informationen und sogar zu bestimmten Anwendungen behindert werden. Eine Tendenz in diese Richtung ist das Sperren oder Verzögern von Datenverkehr über Tauschbörsen (P2P) oder der Internet-Telefonie (VoIP) im Mobilfunknetz.

Konsequenzen

Das Internet ist mit seiner offenen Zugänglichkeit ein Eldorado für Innovationen. Die Offenheit des Übertragungsnetzes und die Standardisierung der Übertragungsprotokolle haben in den letzten Jahren eine Fortschrittslawine in Gang gesetzt. Die Vielzahl an Innovationen sind der Architektur des Internets zu verdanken.
Unternehmen wie Amazon, eBay, Skype und Google konnten nur entstehen, weil sie und die Nutzer das Internet ungehindert für sich nutzen konnten. Und deshalb ist das offene und uneingeschränkte Internet die Grundvoraussetzung für die Vielfalt der Innovationen im Internet.

Sollten sich die Netzbetreiber mit ihren Forderungen durchsetzen, dann wäre das Internet in seiner jetzigen Form in Gefahr. Das Internet und dessen Nutzer profitieren von der offenen Architektur und damit der Trennung von Inhalt und Infrastruktur.
Wenn erst mal Inhalte-Anbieter für den Datenverkehr, den ihre Besucher verursachen, noch einmal bezahlen müssen, dann würden einige Geschäftsmodelle in Gefahr geraten. Wer Geld hat, hätte auch weiterhin Chancen auf Erfolg, wer keines hat, stünde äußerst schlecht da. Erfolgsgeschichten wie Amazon, Yahoo, Google, eBay oder YouTube hätten unter solchen Umständen kaum eine Chance und wären auf den guten Willen der Netzbetreiber angewiesen.
Die Konsequenz wäre die Verdrängung einiger Anwendungen und Dienste vom Markt. Oder eine Innovation käme gar nicht erst auf den Markt, weil sie schon im Kern erstickt wurde. Vielleicht sogar unwissentlich. In der negativen Folge blieben auch Neuerungen aus, die den Netzbetreibern neue Geschäftsmodelle eröffnen könnten. Für unabhängige Entwickler wäre es zunehmend schwieriger Anwendungen und Dienste zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Das Ende der Netzneutralität würde zur Folge haben, dass es eine Verzahnung von Netz und Inhalte oder Anwendungen geben würde. Natürlich zu Lasten der Connectivity. Nicht sofort, aber über die Jahre gesehen schon. Statt Wahlfreiheit würden die Kunden zwangsweise mit Bündel- und Koppelprodukten an ihren Netzbetreiber gebunden und mit den Einschränkungen in einem abgeschotteten Netz leben müssen.
Die Weiterentwicklung des Netzes und der Technik würde sich darauf beschränken, was mit den geschäftlichen Interesse des Netzbetreibers im Einklang sein würde.

Ein weiterer Aspekt betrifft den freien Fluss der Informationen, auf den derjenige Einfluss nehmen kann, der die Technik beherrscht. Dann sind die technischen Voraussetzungen für Regulierung, Zensur, Inhalte-orientierte Gebühren und Überwachung geschaffen. Von Zensur spricht man nur deshalb nicht, weil die Eingriffe geschäftlichen Interessen entsprechen und keine politischen Gründe haben.

Netzneutralität garantieren

Inzwischen ist das Internet ein unerlässlicher Bestandteil unserer Gesellschaft. Nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch zur Möglichkeit der freien Meinungsäußerung und freien Meinungsbildung. Schon aus diesem Grund muss der Gesetzgeber Bedingungen schaffen, die Netzneutralität gesetzlich verankert.
Die Forderung: Gleichbehandlung aller Datenpakete unabhängig von Inhalt, Dienst, Anwendung, Herkunft und Ziel. Zur Bewahrung und Sicherung eines freien und offenen Internets. Denn nur wenn alle Daten gleich behandelt werden, sind faire Wettbewerbsbedingungen garantiert und damit ein technischer Fortschritt möglich.

Fazit

Das Thema betrifft alle. An der Netzneutralität entscheidet sich die künftige Gestaltung des Internets. Der Staat, der Gesetzgeber, der an diesem Hebel drehen kann, befindet sich zwischen dem Bürgerrecht auf diskriminierungsfreien Zugang zu Informationen und der Freiheit der Investoren, die den maximalen Profit suchen.

Doch, der Breitbandzugang ist zu einem hohen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gut mit zentraler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit eines Landes geworden. Diejenigen, die statt "Freiheit des Netzes" Deregulierung und Privatisierung durchsetzen wollen, spekulieren auf unbeschränkte ökonomische Macht. Die Infrastruktur der Zukunft, die für eine demokratische Gesellschaft eine zentrale Bedeutung hat, wäre vollkommen den Finanzmärkten ausgeliefert. Dieses Szenario kann der Allgemeinheit nicht nützlich sein.
Befürworter der Netzneutralität wollen auch weiterhin, dass alle Daten mit der gleichen Berechtigung innerhalb der Netze übertragen werden. Befürchtet wird, dass sich die Netzbetreiber sonst mit Maßnahmen zur Bandbreitenbeschränkung viele kleine Wettbewerber vom Hals halten wollen, um lukrative Dienste selber anbieten zu können. Dabei besteht sogar die Gefahr, dass Innovationen chancenlos bleiben, weil nicht genug Bandbreite oder Übertragungsgeschwindigkeit zur Verfügung steht.

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