Release-Upgrade bei Raspbian von Wheezy auf Jessie (Raspberry Pi)

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Release-Upgrade bei Raspbian von Wheezy auf Jessie (Raspberry Pi) Im folgenden Artikel geht es darum, wie man RASPBIAN "Wheezy" auf das neue "Jessie" aktualisiert

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Was lernen Sie in diesem Kurs?

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Wer sind Wheezy und Jessie?

"Wheezy" und "Jessie" sind Release-Namen für die Debian-Distribution. Für den Raspberry Pi wurde diese Linux-Distribution angepasst und trägt die Bezeichnung "Raspbian". Auch hier gelten diese Release-Namen. Das Release ist vergleichbar mit einer Betriebssystem-Version von Microsoft, wie Windows XP, Vista, 7, 8 oder 10.

Seit dem 27.04.2015 ist das Debian-Release "Jessie" offiziell "stable". Das heißt, damit wurde ein neues Release der Debian-Entwickler freigegeben. Damit wird das vorhergehende Release ("Wheezy") automatisch "oldstable". Das hat Konsequenzen. Software-Updates gibt es nur noch für das neue bzw. aktuelle Release. Ausgenommen sind Sicherheitsupdates und der eine oder andere Bugfix. Das führt dazu, dass ein System mit der Zeit veraltet, weil es keine Aktualisierungen mehr bekommt.

Warum sollte man ein Release-Upgrade machen?

Wenn man nach der Einführung eines neuen Releases weiterhin in den Genuss neuer und aktualisierter Software kommen will, dann muss man auf das neue Release wechseln. Dieser Release-Wechsel ist vergleichbar, wenn Microsoft eine neue Betriebssystem-Version herausbringt. Hier hat man dann die Möglichkeit, auf die neue Version upzugraden. Das selbe kann man auch bei einem Release-Wechsel von Debian bzw. Raspbian machen.

So lange es kein offizielles Images für Raspbian Jessie für den Raspberry Pi gibt, führt der Weg zu einem Raspbian Jessie nur über ein Release-Upgrade von Raspbian Wheezy.
Alternativ könnte man auch Debian Jessie für den Raspberry Pi 2 verwenden. Doch das ist nur bedingt empfehlenswert, weil hier spezielle Programme und Hardware-Unterstützung für den Raspberry Pi.

Warum sollte man ein Release-Upgrade NICHT machen?

Grundsätzlich sollte man sich einen Release-Wechsel sehr gut überlegen. Ein Release-Wechsel führt in der Regel immer dazu, dass das eine oder andere nicht mehr funktioniert. Man wird zwangsläufig mit umfangreichen Änderungen konfrontiert, die dazu führen, dass einige Funktionen anders und nicht mehr wie gewohnt genutzt werden können. Manchmal sind die Änderungen so umfangreich, dass man die Bereitstellung der Funktionalität erst nach einer bestimmten Einarbeitungs- und Testphase wieder gewährleisten kann.

Der eine oder andere Nutzer eines Raspberry Pi wird jedoch gerne ein aktuelles System haben wollen. Doch das ist kein Grund einen Release-Wechsel durchzuführen. Bei einem Bildschirm-Arbeitsplatz mag das noch sinnvoll sein. Hier will man schließlich von Neuerungen profitieren und eventuelle Sicherheitslücken schnell geschlossen bekommen. Aber gilt das auch für ein mit viel Aufwand konfiguriertes und getestetes System?
Einen Raspberry Pi, den man für spezielle Aufgaben eingerichtet hat und der im Hintergrund läuft, ist kein Kandidat für ein Release-Upgrade. Ein Release-Upgrade nimmt in jedem Fall Änderungen an Konfigurationsdateien vor bzw. überschreibt sie. Die dabei anfallenden Änderungen können unter Umständen so umfangreich sein, dass man danach mit einer Neukonfiguration rechnen muss.

Im Laufe der Zeit wird man gezwungen sein, über einen Release-Wechsel nachzudenken. Insbesondere dann, wenn wieder ein neues Release ansteht. In der Regel ist es der bessere Weg einen Server mit einer neuen Betriebssystemversion neu aufsetzen, als ihn zu migrieren. Eine Neuinstallation und Neukonfiguration ist also zu bevorzugen, weil die Fehlersuche bei einem Release-Wechsel nicht zu vernachlässigen ist und nervtötend sein kann. Außerdem ist eine Neuinstallation eine hervorragende Gelegenheit alte Zöpfe abzuschneiden und Altlasten zu beseitigen.

Vorbereitungen für den Release-Wechsel

Wenn man das Upgrade an einem laufenden System durchführen will, sollte man zuerst die Veröffentlichungshinweise durchlesen. In den Release-Notes steht auch, was bei einem Upgrade von "Wheezy" auf "Jessie" zu beachten ist.

  • https://www.debian.org/releases/jessie/releasenotes

Einen Release-Wechsel sollte man sich gut überlegen und entsprechende Vorbereitungen treffen. Deshalb an dieser Stelle der Hinweis, vorher ein Backup zu machen. Wenn später etwas schief oder gar nicht geht, dann kann man zum alten Stand zurückkehren oder überschriebene Konfigurationsdateien neu erstellen.

Hinweis: Für einen Release-Wechsel sollte man ein wenig Zeit mitbringen, weil dabei eine Menge Pakete heruntergeladen und anschließend installiert werden müssen. Außerdem erwarten einige Installationen eine Bestätigung vom Benutzer, weil sich einige wichtige Standard-Einstellungen geändert haben.
Wie lange es insgesamt dauert, hängt davon ab, wie umfangreich die Software-Installation und wie schnell das System ist. In der Regel werden mehrere hundert Pakete und damit mehrere tausend Dateien getauscht. Zusätzlich wird einiges neu konfiguriert. Man muss damit rechnen, dass ein Release-Update mehrere Stunden dauern kann.

Vorbereitungen zum Release-Upgrade

Vor dem Update auf Jessie installiert man Wheezy auf eine MicroSD-Karte, nimmt sie in Betrieb und konfiguriert alle nötigen Optionen mit raspi-config. Wichtig ist hier, dass man die Partition auf die volle Speicherkapazität der SD-Karte vergrößert. Ein Upgrade auf Jessie braucht zusätzlichen Speicherplatz. Außerdem muss für UTF-8 als Zeichensatz eingestellt sein, da es sonst beim Upgrade Probleme geben wird.

  • Betriebssystem für den Raspberry Pi auf eine SD-Speicherkarte installieren
  • Erste Inbetriebnahme eines Raspberry Pi
  • Erste Schritte bei der Installation und Konfiguration eines Raspberry Pi

Das Update sollte man auf der Konsole und nicht über den Desktop machen. Und am besten über LAN, nicht WLAN.

Es ist eine gute Idee, sicherzustellen, dass es keine beschädigten Pakete gibt.

sudo dpkg --audit

Wenn dieses Kommando nichts zurückliefert, dann ist alles in Ordnung.

Speicherkapazität prüfen und freigeben

Bevor wir loslegen prüfen wir noch, ob auch genug Speicherplatz vorhanden ist.

df -h

Wie viel zusätzlicher Speicher die heruntergeladenen Pakete brauchen hängt natürlich von der installierten Software ab. Allerdings sollte hier genug Speicherplatz vorhanden sein, damit ein Upgrade überhaupt möglich ist. Ein oder zwei Gigabyte frei verfügbarer Speicherplatz sollten es schon sein.
Was man auf alle Fälle machen sollte, um mehr Speicherkapazität zu bekommen, ist den Paket-Cache zu löschen. Denn in der Regel wird man die darin enthaltenen Pakete nach einem Release-Wechsel nicht mehr benötigen.

sudo apt-get clean Paketquellen anpassen und aktualisieren

Das Upgrade bzw. der Release-Wechsel findet bei Raspbian nicht automatisch statt, sondern erst nach einer Anpassung der Paketquellen. Dazu muss man folgende Datei öffnen und bearbeiten.

sudo nano /etc/apt/sources.list

Hier trägt man folgende Zeile ein:

deb http://mirrordirector.raspbian.org/raspbian/ jessie main contrib non-free rpi

Vor allen anderen Zeilen setzt man ein "#".

Dann löscht man alte Paketquellen im Verzeichnis "/etc/apt/sources.list.d/".

sudo rm -f /etc/apt/sources.list.d/*

Dann erzeugt man eine neue Datei:

sudo nano /etc/apt/sources.list.d/raspi.list

Hier trägt man folgende Zeile ein:

deb http://archive.raspberrypi.org/debian jessie main ui

Nachdem man die Paketquellen geändert hat, muss die Liste der verfügbaren Pakete aktualisiert werden.

sudo apt-get update

Hierbei muss man beachten, dass alle Paketquellen fehlerfrei heruntergeladen und gelesen werden müssen. Kommt es zu Fehlermeldungen, dann sollte man zuerst diese Probleme beseitigen. Wenn man das ignoriert und zum nächsten Schritt übergeht, dann kann das zu einem fehlerhaften Release führen.

Release-Upgrade durchführen

Der nächste Schritt führt den eigentlichen Release-Wechsel durch und aktualisiert Raspbian auf das neue bzw. aktuelle "stable"-Release.

sudo apt-get dist-upgrade

Damit werden alle aktualisierten Pakete heruntergeladen und anschließend installiert. Dieses Upgrade dauert eine Weile und es kann immer wieder zu Unterbrechungen kommen. Daher ist es wichtig, das Upgrade zu beobachten und gegebenenfalls eine Auswahl zu treffen. In jedem Fall werden Ihnen neue Konfigurationsdateien angeboten. Um den nachträglichen Konfigurationsaufwand zu begrenzen, sollten Sie die alten Einstellungen beibehalten. Es kann nicht schaden sich parallel über neue Konfigurationsdateien Notizen zu machen, damit mit man für später weiß, wo eventuell eine Konfiguration kontrolliert werden muss.

Manchmal klappt das Upgrade nicht auf Anhieb. Meist muss man etwas nachhelfen, in dem man die Abhängigkeiten der Pakete korrigieren. Dabei werden unter Umständen einige Pakete zusätzlich installiert.

sudo apt-get -f install

Manchmal muss man den Upgrade-Prozess noch einmal anstoßen, weil er sich aus irgendwelchen Gründen vorzeitig beendet hat.

sudo apt-get dist-upgrade

Erst wenn keine weiteren Installationen durchgeführt werden, hat man einen vollständigen Release-Wechsel durchgeführt. Dann ist ein Neustart fällig.

sudo reboot

Nach dem Neustart kann man noch die Pakete deinstallieren, die nicht mehr gebraucht werden, und löscht Pakete, die veraltet sind.

sudo apt-get autoremove sudo apt-get autoclean

Danach kann man nicht mehr benötigte Konfigurationsdateien entfernt.

sudo dpkg -P `dpkg -l | grep "^rc" | awk -F" " '{ print $2 }'`

Nun sollte das System mit dem neusten Release laufen.

Die nächsten Schritte bestehen darin, alle Funktionen zu prüfen, die man erwartet. Gegebenenfalls müssen Konfigurationsdateien angepasst werden.

Weitere verwandte Themen:
  • Erste Schritte bei der Installation und Konfiguration eines Raspberry Pi
  • Betriebssystem und Software des Raspberry Pi aktualisieren
  • Paketquellen prüfen und ändern (Raspberry Pi)
  • Update/Upgrade von Raspberry Pi (1) auf Raspberry Pi 2
  • Firmware-Update mit rpi-update beim Raspberry Pi
  • Raspberry Pi: Linux-Distributionen und Betriebssysteme

Hinweis: Dieses Tutorial ist Teil einer Aufgaben und Übungen mit dem Raspberry Pi-Reihe, die für Lern- und Ausbildungszwecke erstellt wurde. Die dargestellte Lösung ist Teil einer konkreten Aufgabenstellung, die Schüler, Auszubildende und Studenten, lösen sollen. Deshalb muss der hier aufgezeigte Weg nicht der Optimalfall sein.


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